Vereins- Chronik

der Turn- und Sportgemeinde 1886

Albisheim e.V

 
Es ist wahrlich keine leichte Aufgabe, eine „Geschichte der Turn- und Sportgemeinde 1886 Albisheim e. V.“ zu schreiben. Vor allem dann nicht, wenn - wie im vorliegenden Falle - aus den ersten 40 Jahren unseres Vereins überhaupt keine protokollarisch-schriftlichen Auf­zeichnungen vorliegen! Es ist müßig, heute nach dem „Warum“ zu fragen. Mehr als be­dauerlich ist vielmehr die Tatsache, dass auch aus jüngerer Zeit nicht alle Protokollbücher „lückenlos“ vorliegen.
 
Unser heute 100-jähriger Verein entstand am 25. August 1886 als „Turnverein Albisheim“, in einer Zeit der sog. „Gründerjahre“ (Reparationszahlungen aus Frankreich führten im da­maligen Deutschen Reich zu einer „Scheinblüte“) und des sich ausweitenden Imperialis­mus (1884/85: Gründung deutscher Kolonien in Süd-West-Afrika, Kamerun, Togo, Ostafrika u. a.).
 
Welchem Ziel sich die Vereinsgründer damals verschrieben, geht aus den „Statuten des Turnvereins Albisheim e. V.“ hervor. Dort wird unter Punkt II „Zweck des Vereins“ genannt:
„Pflege von Leibesübungen aller Art und des Spiels zu körperlicher und sittlicher Ertüchti­gung zum Wohle des Einzelnen und der Gesamtheit, Veranstaltung geselliger Unterhal­tung, Pflege des Deutschen Volksbewußtseins und vaterländischer Gesinnung, alle politischen und Parteibestrebungen sind verboten.“
Die Turner haben sich zu allen Zeiten von der Öffentlichkeit falsch eingeschätzt gefühlt. Sie wurden und werden vielleicht noch immer als Geräte- oder Kunstturner identifiziert. Dabei waren die Geräte auch damals nur eine von vielen Möglichkeiten, sich körperlich und geistig „fit“ zu halten. Laufen, Springen, Schwimmen, Wandern u. a. gehörten schon zu den „Turnübungen“ der ersten Stunde. Auch in Albisheim waren die „Turner“ die Stammväter der Turn- und Sportbewegung!
Um mit Willi Greite, dem derzeitigen Präsidenten des Deutschen Turner-Bundes (1986) zu spre­chen, sind „Turnvereine - aufgrund der Mitgliederstatistik - also zunächst in kleinen Ge­meinden zuhause. Man darf darin wohl ein Zeichen der Volksnähe und der Verwurzelung im Lebensbereich der Gemeinden sehen.... Turnvereine sind gesellschaftspolitische und soziale Übungsfelder mit familiärem Charakter, Zentren kommunaler Geselligkeit, Bege­gnung und Kommunikation.“ Dies trifft in vollem Umfang auch für den Turnverein Albis­heim zu!
 
Über die Gründungsmitglieder sind wir nur über das im Jahre 1926 organisierte 40. Stif­tungsfest des TV Albisheim unterrichtet. Im Rahmen des damaligen Festbanketts wurde im Saale Weil (das spätere Gasthaus Maurer, heute Gottesdienstsaal der Menonitischen Brüdergemeinde) folgender Gründungsmitglieder ehrend gedacht:
Hermann Kampf (er war höchstwahrscheinlich der 1. Vorsitzende des TV Albisheim / sein Sohn Jakob Kampf war zur Zeit des 40. Stiftungsfestes der 1. Vorsitzende), Karl Göhring, Simon Bretz, Georg Beck, Friedrich Kitsch (er war zeitweise Bürgermeister in Albisheim), Jakob Miesel, Johann Leuck, Berthold Metzger, Heinrich Weigel, Valentin Boos, Jakob Emmel IV, Josef Römer, Philipp Mandler, Ph.(?) Fuchs.
In der am 2. Januar 1926 bei Weil abgehaltenen Hauptversammlung wurden die noch le­benden Gründungsmitglieder Jean (Johann) Leuck, Jakob Miesel, Karl Göhring und Ber­thold Metzger einstimmig zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Wie wichtig die geselligen Veranstaltungen, neben den Turnübungsstunden und dem Be­such von Gauturnfesten (1924 in Eisenberg, 1925 in Kindenheim, 1926 in Göllheim, 1927 in Kerzenheim, 1928 in Kirchheim a. d. Eck) und anderen Wettkämpfen in frühester Ver­einszeit waren, zeigt der Veranstaltungsreigen des ältesten vorhandenen Protokollbuches. Dort werden wiederholt Theateraufführungen, Turnerbälle, Maskenbälle, Familienaben­de und „Abendunterhaltung“ (zu Ehren der Ehrenmitglieder Jakob Miesel und Berthold Metzger, die damals den Ehrenbrief der DT Turnerschaft überreicht bekamen) u. a. aufge­führt. Rückblickend hat man nicht selten den Eindruck, als ob die Geselligkeit nicht neben der Turnerei, sondern manchmal sogar vor dem Sport gestanden habe. Fairerweise muss hier festgehalten werden, dass bis in die Gegenwart hinein die Abhaltung solcher „Festivitä­ten“ vorrangig der „Auffüllung“ der Vereinskasse diente.
Auch hatten unsere Vorfahren weit weniger Möglichkeiten der Zerstreuung und Abstand vom oft tristen Alltag zu nehmen als es heute doch vielen möglich ist. Dies gilt besonders für die politisch-labilen und sozial-schweren Zeiten der Weimarer Republik und der un­mittelbaren Nachkriegszeit!
Stark beeinträchtigt wurde der Sportbetrieb in Albisheim in allen Zeiten durch das Fehlen geeigneter Wettkampfstätten. So turnte man in den 20-er Jahren - soweit es die Witterung zuließ - im Freien. Als „Turnplatz“ diente ein Wiesengelände in der Nähe der Pfrimm, im Bereich der heutigen mittleren Alleestraße. Turnerische Wettkämpfe, wie. z.B. bei Schauturnen oder beim 40. Stiftungsfest des Turnvereins, fanden auf der „Best‘schen Wiese“, ei­nem Gelände in der Steinmühle, der ehem. Molkerei, statt. Als „Turnhalle« stand zu besonderen Anlässen der Saal des Gasthauses Weil (später Rembe und Wutschke, dann Gasthaus Maurer) zur Verfügung. Stets hatten die Turner Probleme mit geeigneten Wettkampfstätten, eine Erscheinung, die bis in die jüngste Vergangenheit nicht gerade ty­pisch speziell für Albisheim war. Auch nach dem 2. Weltkrieg war das Dilemma der fehlen­den sportlichen Räumlichkeiten ein großes Handicap unseres Vereins. Hinweise wie „der Übungsbetrieb musste wegen fehlender Sportstätten vorübergehend eingestellt werden“ oder „zur Zeit ruht der Turnbetrieb...“ geben ständig Zeugnis dieser besonderen Problema­tik, erscheinen mehrfach in den Protokollen und wurden endgültig erst mit dem Bau der Pfrimmhalle (1982) abgestellt.
Sucht man nach Spuren weiblicher Sportbetätigung in unserem Verein, so kann hier viel Positives berichtet werden. Zwar sind – verständlicherweise - keine Frauen unter den Gründungsmitgliedern, wohl aber unter den Geehrten beim 40. Stiftungsfest 1926. Nur allmählich hatte auch in unserem Verein die politisch-soziale Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frau Wurzeln geschlagen. So wird aus den ersten protokollarischen Un­terlagen der 20er Jahre ersichtlich, dass eine Riege der Turnerinnen bestand, die zur Zeit des 40. Stiftungsfestes neben einer Vielzahl von Turnern 18 Zöglinge und auch 18 Turnerin­nen umfasste. Selbstverständlich leisteten diese Turnerinnen bei allen Vereinsveranstaltun­gen sportlich und kulturell-geselliger Art ihren Beitrag.
Gleiches kann für die sportliche Ertüchtigung der Jugend im „Turnverein Albisheim“ ge­sagt werden. Kam das Jugendturnen in Deutschland allgemein erst in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts auf (Turnvater Jahn verstand das Turnen - im Gegensatz zu heute - ja vorrangig in seiner politisch akzentuierten Motivierung als Erziehung für die Gemeinde und den Staat und wollte seine jungen Turner auf der Berliner Hasenheide vor allem für den „Ernstfall“ körperlich ertüchtigen und charakterlich weiterbilden), so wurde sportliche Jugendarbeit in Albisheim schon sehr früh betrieben. Alte Riegenbücher für Zöglinge (= waren nach dem damaligen Verständnis junge Heranwachsende zwischen 14 und 18 Jahren!) aus der Zeit der Jahrhundertwende, die im Original noch vorliegen und ganz pedantisch den Turnbesuch der Zöglinge auflisten, belegen eindeutig, wie wichtig schon damals die sportliche Betätigung gerade junger Menschen gewertet wurde. Neben Turn-Kalendern (= ähnlich den Riegenbüchern, nur ergänzt mit allgemeinen Hinweisen und Hilfen für den „Turner“ wie Wettkampfordnung, Haftpflichtfragen, Turnliedern und Prolog-Entwürfen für Vereins-Festlichkeiten) legen alte Liederbücher für Turner Zeugnis ab vom damaligen gesellschafts-politischen Stellenwert des Sports allgemein und der Tur­nerei im besonderen.
 
1923 wurde - dieses Datum ist nicht eindeutig belegt - zum Gründungsjahr der Fußballer in Albisheim. Zwar hat man damals in Albisheim schon Fußball gespielt, aber nicht offi­ziell innerhalb des Turnvereins und sicherlich auch nicht sogleich an Rundenspielen teilge­nommen.
Zu den „Turnern“ bestand von Anbeginn an ein sehr „gestörtes“ Verhältnis. Diese „altge­dienten Turnschwestern und Turnbrüder“ hatten mit dem runden Leder wahrlich nichts am Hut. Und wenn dann schon einige „Vereinsmitglieder“ Fußball spielen wollten, dann sollten sie „gefälligst auch turnen“! Dieser Zwang führte zeitweise dazu, dass Albisheimer Fußball-Enthusiasten nach außerhalb (z.B. nach Marnheim) gehen mussten, um „ihrem Sport zu frönen“. Aus unserem heutigen Zeitverständnis heraus können wir das gar nicht begreifen. War das von Jahn eingeführte Wort „Turnen“ nicht dem lateinischen Wort „tor­nare“ (= drehen, sich wenden) abgeleitet und traf diese Definition nicht auch für Fußballer zu?! Sollte der Turnverein nicht auch schon damals ein Angebot an die „ganze Familie“ un­terbreiten? Warum also nicht auch Fußball spielen, wenn man für Turnen keine Lust oder keine Befähigung hatte. Zu diesem Streit zwischen Turnern und Fußballern in unserem Verein fällt mir abschließend nur der ewig geltende Spruch ein: „Ein Verein ist immer ein Kind der Zeit!“.
Im Turnverein Albisheim wurde das Jahn‘sche Erbe stets hochgehalten. So wurde die Jahn­ Gedenkfeier am 11. 8. 1928 zu einem besonderen Ereignis für Albisheim. Unter Mitwir­kung benachbarter Turnvereine (Einselthum, Harxheim, Bubenheim), dem einheimi­schen Gesangverein und Schulkindern sowie allen Turnerinnen und Turnern gedachte man auf „dem elektrisch beleuchteten Turnplatz“ auf der Festwiese des altverdienten Turn­vaters. Lampionumzug, ein großes Feuer auf dem Saukopf und ein abschließendes Feuer­werk umrahmten den sportlichen Teil der 150-Jahre-Gedenkfeier.
 
So blieb das Turnen bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten der dominierende sportliche Sektor im Turnverein Albisheim, der Fußball dagegen das „ungeliebte Stief­kind“. Höchst selten werden die Fußballer in den Protokollbüchern überhaupt erwähnt, und wenn, dann nur als „Sündenböcke“ für nicht zustande gekommene turnerische Wett­kämpfe. Angesetzte Fußballspiele mussten z. T. abgesagt werden, weil ein Teil der Fußballer bei Turnwettkämpfen oder Staffelwettbewerben benötigt wurden, was bei diesen zu hefti­gen Protesten führte.
 
Den Nazis waren die Turnvereine stets ein Dorn im Auge. Der TV Albisheim erlitt dann das Schicksal aller Brudervereine: 1935 wurde der Turnverein dem von Hitler initiierten NS-Bund für Leibesübungen eingegliedert und vorbei war es mit der Selbständigkeit der Turnerei in Albisheim.
 
Als der 2. Weltkrieg mit einer nationalen Katastrophe und dem militärischen und politi­schen Zusammenbruch Deutschlands 1945 endete, besannen sich in Albisheim schon bald wieder sportbegeisterte Bürger und Kriegsheimkehrer ihres vorübergehend ruhenden Vereins. Da aber Turnen aus politischen Gründen zunächst noch verboten war, wurde 1946 lediglich Fußballsport betrieben. In der Gründungsversammlung am 22. Mai 1946 im Gasthaus Rembe wurde die im Druck vorliegende Satzung von 76 Anwesenden (!)‚ darun­ter 15 Frauen, widerspruchslos angenommen. Laut Anordnung der französischen Mili­tärregierung vom 8. 10. 1946 war es vorübergehend verboten, den Namen „TSG“ zu füh­ren. So nannte sich der wiedergegründete Verein „Sportverein“ (= SV). Die Gründungs­versammlung der Turnabteilung fand erst am 5. 3. 1948 im 1947 gewählten Vereinslokal Gießen statt. Dabei wurden 2 wöchentliche Turnstunden im Saale Wutschke festgelegt. Schon 1949 gab es neuerliche Probleme mit der turnerischen Übungsstätte und deren Be­sitzer, so dass die Turnstunden wieder ausfielen. Bis zum Ende des Jahres 1947 bestand auch eine Damen-Handballmanschaft, die, von Karlheinz Kirch trainiert, bei den ersten Run­denspielen den 1. Platz belegten. In diesem ersten Nachkriegsjahr erlebten die Albisheimer Fußballer ihre erste Blüte. Nach einigen Jahren der Stagnation wurde Albisheim dann auf Jahre hinaus zur spiel- und meisterschaftsbestimmenden Mannschaft im Kreis (siehe auch „Sportereignisse der TSG“). Mitte der 60 – er Jahre führte ein personeller Aderlass, verbun­den mit fehlendem Engagement im Verein, zu einem absoluten Tiefpunkt, der aber schon Ende der 60 – er Jahre wieder überwunden wurde. Bedingt durch planmäßiges Training, sy­stematische und kompetent-kontinuierliche Jugendarbeit als Basis einer gesunden und leistungsfähigen Aktiven-Abteilung, hervorragende Vereinsführung und mannschaftliche Betreuung, zu der sich immer wieder sehr fähige Mitglieder bereit fanden, brachte die Kreismeisterschaft 1972 den Aufstieg in die A-Klasse Nord. Den (bisher) absoluten Höhe­punkt unseres sportlichen Vereinslebens erreichten dann unsere Fußballer 1978 mit dem Gewinn der Meisterschaft in der A-Klasse Nord und dem damit verbundenen Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga-Westpfalz. Nach fünf erfolgreichen Jahren kehrte die Mannschaft dann 1983 in die A-Klasse Nord zurück, wo sie auch gegenwärtig noch mit wechselndem Erfolg spielt.
Parallel zu diesem Aufstieg der Fußballer lief die Verbesserung der sportlichen Infrastruk­tur innerhalb der TSG, mit zweimaliger Vergrößerung des Sportplatzes, dem Bau von Duschanlagen, der Fertigstellung des Sportheimes und der Aufstellung von Flutlichtma­sten. Hierbei erwarb sich unser verehrter Ehrenvorstand Friedhelm Becker als langjähriger Vereinsvorsitzender, Schriftführer und „Drahtzieher“ dieser Baumaßnahmen hervorra­gende Verdienste. Ohne sein ideelles Engagement und seine Beharrlichkeit — er fand u .a. in Otto Heuberger und „Turnbruder“ Robert Stein die erforderlichen Mitstreiter — wäre die Entwicklung unseres Vereins zur heutigen „Turn- und Sportgemeinde 1886 Albisheim e. V.“
unvorstellbar. Große Verdienste beim Bau des Sportheims erwarb sich Bernd Karg; er war »Motor“ dieses Vorhabens und trieb sich und seine AH-Kollegen zu verstärkten Anstren­gungen!
Bis zur heutigen Namensgebung war es aber ein dornenreicher Weg. Wie schon erwähnt, blockierte die damalige Militärregierung den Wunsch der Neugründer. Erst 1952 veranlasste der damalige Vorsitzende (späteres Ehrenmitglied) Karl Gießen, auf Vorschlag von Robert Stein, die Umbenennung in „TSG“ Albisheim. Damit wollte man auch einer Abspaltung der Fußballer entgegenwirken!
Innerhalb der Turnabteilung gab es nach dem 2. Weltkrieg ebenfalls viele Höhen und Tie­fen. Natürlich stand dem Turnen, spätestens seit dem Ende der 50-er Jahre, ein anderer Zeit­geist entgegen. Deutschland entwickelte sich zum „Wirtschaftswunderland“ und mit dem gestiegenen Lebensstandard wuchs auch das Vergnügungsangebot, entwickelte sich ein geändertes Freizeitverhalten. Viele „alte Turner“ waren aus dem Krieg nicht zurückgekehrt. Die Jugend andererseits lief der Turnerei davon. Neue „attraktivere(?)«, wahrscheinlich auch körperlich einfachere, bequemere Sportarten kamen auf und liefen dem Turnen in seiner alten, oft falsch verstandenen Form den Rang ab.
„Blütezeiten“ des Turnens in Albisheim waren, wie in anderen Vereinen auch, vorrangig davon abhängig, ob geeignete Übungsleiter und als Turner sportliche Idealisten vorhan­den waren. Trotz der ständigen räumlichen Misere wurden Übungsstätten gefunden, auch wenn sie den Vorstellungen eines modernen sportlichen Übungsraumes in keinster Weise entsprachen. Hängt nicht auch heute noch die Bereitschaft, Sport zu treiben, in erster Linie von der Begeisterungsfähigkeit und der fachlichen Kompetenz des Übungsleiters (unsere „Altvorderen“ hätten hier „Vorturner“ gesagt) ab? Solche begeisterungsfähigen und sach­verständigen „Vorturner“ besaß die TSG zeitweise in Hermann Klaaßen und Lehrer Beyer. Oberturnwart R. Stein „trommelte« zwar ständig in Sachen „Turnen“, kam sich aber allzu oft - als Vorturner inzwischen persönlich zu alt - wie ein „Rufer in der Wüste“ vor. Als Klaaßen und Beyer ihren Wohnort wechselten, war es schlecht bestellt um das Turnen in Albisheim. Zwar wurden noch vereinzelt Turnfeste besucht, Gauveranstaltungen be­schickt, aber die Zahl der Funktionäre war oft größer als die der Aktiven!
Vorübergehend stand die Leichtathletik im Vordergrund. Sportliche Wettbewerbe wie Bundesjugendspiele, Sport- und Mehrkampfabzeichen-Abnahme wurden von A. Brosda, R. Giehl (Jugend), R. Ritthaler und B. Stutzmann angeboten und teilweise bis zum heuti­gen Tag, von einer ständig größer werdenden Zahl von Vereinsmitgliedern, angenommen. Die „große Wende“ zur eigentlichen „Turn- und Sportgemeinde Albisheim“ brachte aber erst der Bau der Mehrzweckhalle im Pfrimmbereich im Jahre 1982. Vielfältige neue Sportabteilungen entstanden und prägen das Bild des heutigen Sportvereins. Im Turnbereich etablierten sich Abteilungen wie „Mutter und Kind“, „Vorschulturnen“, Turngruppen für Mädchen und Jungen nach Alter getrennt, Gymnastikabteilungen für Seniorinnen und Senioren (diese nach körperlicher Leistungseignung bzw. -bereitschaft getrennt). Eine ständige aufblühende Judoabteilung entstand, die mit der Anschaffung neuer Judomatten (1986) auch die Voraussetzungen zu wettkampfgerechtern Übungsbetrieb erhielt.
Die neu gegründete Volleyballabteilung erlebte, personell bedingt, nur einen kurzen Früh­ling. Zur Zeit fehlt hier der geeignete Übungsleiter, der vorhandene Interessenten um sich schart.
 
Auch die Fußballer profitieren von der neuen Übungsstätte. In der winterlichen Jahreszeit sind sie gegenüber der Konkurrenz nicht mehr benachteiligt. Bei ungünstiger Witterung können sie in die Pfrimmhalle ausweichen. Erfolgreich durchgeführte Hallenturniere und hervorragendes Abschneiden beim Besuch fremder Hallenveranstaltungen bezeugen für Jugend, Aktive und Altherrenmannschaften den Gewinn der neuen Halle.
Wie wichtig der Bau der neuen Pfrimmhalle für die Sportgemeinde Albisheim war, zeigt auch der seit 1984 durchgeführte „Tag des Sports“. Hier demonstrieren alle Vereinsabtei­lungen ihre sportliche Arbeit, zeigen ihre Übungsfortschritte und ihre große Freude am Sport vor einem großen und interessierten Publikum.
Auch die Geselligkeit kommt in der Gegenwart innerhalb unseres Vereins nicht zu kurz. Lange Tradition haben Veranstaltungen wie Weihnachtsfeier, Kappensitzungen (gemein­sam mit dem TTC Albisheim) oder Kameradschaftsabende der Aktiven und AH sowie Grillfeste für die Jugend.
Eines der positivsten Elemente in unserem 100-jährigen Verein ist sicher die Tatsache, dass sich immer wieder geeignete Mitglieder fanden, die das „TSG-Schiff“ kontinuierlich über alle Klippen und Wellentäler hinwegmanövrierten. Auf diese Frauen und Männer darf die TSG-Familie stolz sein. Sie sollten auch in Zukunft die Gewähr bieten und Garant sein für ein weiteres ständiges „Wachsen, Blühen und Gedeihen“!
Mit dem Wunsche, dass heute und zukünftig jeder Amtsinhaber, jeder Übungsleiter in der TSG „in übertragenem Sinne“ dem folgenden Idealfall eines Vorturners möglichst nahe kommt, möchte ich diese Vereinschronik beschließen.
 
 
Vom Vorturner
»Das Amt des Vorturners ist ein beschwerlicher Ehrendienst; das Vorturnen eine Arbeit, eine Pflicht, ein Liebeswerk, eine Kunst und eine Freude. Jeder Vorturner ist seinen Riegen­genossen durch tadelloses Betragen, Freundlichkeit und Bestimmtheit vor allem in Hin­sicht der Sitten ein Vorbild, dann aber auch, so oft eine Übung ausgeführt, ein Muster. Er ist weder ihnen ein Herr noch ihr Knecht, wohl aber steht er ihnen als Freund und Lehrer gegenüber“
(aus: „Merkbüchlein für Vorturner“, Hannover 1884, S. 19)

Bernd F. Stutzmann